Fachkräftemangel im Gesundheitswesen: Wie ausländische Pflegekräfte die Krise in Krankenhäusern und Pflegeheimen lindern können
- Holger Ranft-Rößler
- 7. Okt. 2024
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Dez. 2024
Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen hat sich in den letzten Jahren zu einer der größten Herausforderungen für viele Länder entwickelt, insbesondere für Deutschland. Die zunehmende Überalterung der Bevölkerung und der steigende Bedarf an Gesundheits- und Pflegedienstleistungen führen zu einem erheblichen Engpass an qualifiziertem Personal. Allein in der Pflegebranche fehlen in Deutschland aktuell mehrere zehntausend Fachkräfte. Ein Lösungsansatz, der in den letzten Jahren verstärkt ins Zentrum der Diskussion gerückt ist, ist die Anwerbung ausländischer Fachkräfte. Vor allem asiatische Länder wie Thailand bieten hier großes Potenzial, nicht zuletzt durch die intensive Zusammenarbeit mit Personalberatern und internationalen Ausbildungsinstituten.

Warum Fachkräfte aus Asien, speziell Thailand?
Asien, und insbesondere Thailand, verfügt über ein stark ausgeprägtes Gesundheits- und Pflegesystem. Die Pflegeberufe genießen in der thailändischen Gesellschaft ein hohes Ansehen. Thailändische Pflegekräfte sind bekannt für ihre sorgfältige, herzliche und einfühlsame Pflege – Eigenschaften, die in der Alten- und Krankenpflege in Deutschland besonders gefragt sind. Zudem ist der Ausbildungsstandard in Thailand auf einem hohen Niveau, und die dortigen Fachkräfte bringen oft bereits eine mehrjährige praktische Erfahrung mit.
Hinzu kommt, dass viele Pflegekräfte in Thailand eine hohe Bereitschaft zeigen, im Ausland zu arbeiten, sei es aus wirtschaftlichen Gründen oder aus der Motivation heraus, neue Erfahrungen zu sammeln und ihre Kenntnisse zu erweitern. Diese Bereitschaft trifft auf den akuten Bedarf in Ländern wie Deutschland, wo dringend qualifiziertes Pflegepersonal benötigt wird. Allerdings reicht die bloße Anwerbung nicht aus; die Kooperation mit Personalberatern und Bildungsinstituten spielt eine entscheidende Rolle für den Erfolg.
Die Rolle von Personalberatern und Ausbildungsinstituten im Ausland
Personalberatungen haben sich darauf spezialisiert, den Prozess der Rekrutierung ausländischer Fachkräfte effizient und erfolgreich zu gestalten. Dabei arbeiten sie eng mit Ausbildungsinstituten und Universitäten im Ausland zusammen, um bereits während der Ausbildung in den Herkunftsländern die notwendigen Voraussetzungen für die Arbeit in Deutschland zu schaffen.

Wie funktioniert diese Zusammenarbeit?
1. Anpassung der Ausbildungsanforderungen an deutsche Standards
Ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit ist die Integration der deutschen Ausbildungsanforderungen in die Curricula der thailändischen Universitäten und Ausbildungsinstitute. Deutsche Personalberater arbeiten mit diesen Bildungsinstitutionen in Thailand zusammen, um sicherzustellen, dass die Pflegekräfte dort genau die Fähigkeiten und Kenntnisse erwerben, die in Deutschland benötigt werden. Dies umfasst sowohl medizinische Kenntnisse als auch spezifische Anforderungen, wie etwa den Umgang mit digitalen Gesundheitssystemen, die in deutschen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen zum Einsatz kommen.
Durch diese Anpassung wird gewährleistet, dass die thailändischen Pflegekräfte nach ihrer Ausbildung die notwendigen Qualifikationen besitzen, um in Deutschland sofort einsatzfähig zu sein. Ein großer Vorteil dieses Modells ist, dass es die Anerkennung der ausländischen Abschlüsse in Deutschland erleichtert und beschleunigt. Auf diese Weise können Hürden, die normalerweise bei der Anerkennung ausländischer Qualifikationen bestehen, erheblich abgebaut werden.
2. Integration von Sprachausbildung in den Lehrplan
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Kooperation ist die frühzeitige Sprachausbildung. Da die Kommunikation ein zentraler Bestandteil in der Pflege ist, sind Deutschkenntnisse unerlässlich. Personalberater und Bildungsinstitute in Thailand integrieren daher die deutsche Sprache bereits frühzeitig in die Ausbildung der Pflegekräfte. Im Rahmen der Kooperationen wird gezielt auf den Erwerb eines soliden B2- oder sogar C1-Sprachniveaus hingearbeitet.
Die Sprachausbildung ist mehr als nur das Erlernen von Vokabeln und Grammatik. Sie umfasst auch die Vermittlung von fachbezogenen Begriffen und die Schulung in der Kommunikation mit Patienten, Angehörigen und medizinischem Personal. Durch diese umfassende Sprachausbildung sind die thailändischen Pflegekräfte nach ihrer Ankunft in Deutschland besser in der Lage, sich in den Pflegealltag einzufinden und einen reibungslosen Start in ihrer neuen Arbeitsumgebung zu gewährleisten.
3. Praxiserfahrung und interkulturelle Vorbereitung
Ein weiterer Schwerpunkt in der Zusammenarbeit zwischen Personalberatern und thailändischen Ausbildungsinstituten ist die Vermittlung von Praxiserfahrung. Dies ermöglicht den thailändischen Pflegekräften, die Arbeitsbedingungen und Anforderungen in Deutschland kennenzulernen. Sie erhalten einen ersten Einblick in die deutsche Gesundheitskultur und können wertvolle praktische Erfahrungen sammeln.
Neben der fachlichen und praktischen Ausbildung legt diese Kooperation auch großen Wert auf die interkulturelle Vorbereitung. Pflegekräfte werden auf die kulturellen Unterschiede im Umgang mit Patienten und die speziellen Bedürfnisse der deutschen Bevölkerung sensibilisiert. Diese Vorbereitung erleichtert die Integration in den deutschen Arbeitsalltag und trägt zur Verbesserung der Pflegequalität bei.

4. Laufende Unterstützung durch Personalberater
Der Erfolg der Anwerbung ausländischer Fachkräfte hängt maßgeblich von der laufenden Betreuung durch Personalberater ab. Diese begleiten die Pflegekräfte während des gesamten Prozesses – von der Rekrutierung über die Anerkennung der Abschlüsse bis hin zur Integration in den deutschen Arbeitsmarkt. Personalberater fungieren als Vermittler zwischen den thailändischen Fachkräften und den deutschen Einrichtungen. Sie unterstützen bei rechtlichen Fragen, organisieren die nötigen Behördengänge und helfen bei der Wohnungssuche.
Durch diese umfassende Betreuung fühlen sich die Pflegekräfte gut aufgehoben und können sich auf ihre eigentliche Aufgabe – die Pflege – konzentrieren. Gleichzeitig profitieren die deutschen Arbeitgeber von einem reibungslosen Ablauf und einer raschen Verfügbarkeit der neuen Mitarbeiter.
Erfolgsbeispiele: Wie Kooperationen den Fachkräftemangel abmildern
Die Zusammenarbeit mit Universitäten im Ausland ist schon in vielen Fällen ein Erfolgsfaktor. Das gleiche Potenzial bietet eine Zusammenarbeit mit Ausbildungsinstituten in Thailand. In solchen Projekten werden Pflegekräfte nicht nur fachlich, sondern auch sprachlich und kulturell auf ihren Einsatz in Deutschland vorbereitet. Die Kooperationen zeigen, dass dieser Ansatz eine Win-Win-Situation darstellt: Deutschland erhält die dringend benötigten Fachkräfte, während die thailändischen Pflegekräfte die Chance bekommen, in einem attraktiven internationalen Arbeitsumfeld tätig zu sein und berufliche Erfahrungen zu sammeln.

Die Herausforderungen und Zukunftschancen
Natürlich gibt es auch Herausforderungen. Der Prozess der Anerkennung ausländischer Qualifikationen ist trotz der Vorbereitungen zeitaufwendig, und die Integration in das neue Arbeitsumfeld erfordert Geduld und Unterstützung. Außerdem müssen kulturelle Unterschiede sorgfältig gemanagt werden, um ein harmonisches Arbeitsklima zu schaffen.
Nichtsdestotrotz bieten die beschriebenen Kooperationen mit Personalberatern und Ausbildungsinstituten in Thailand enorme Chancen für das deutsche Gesundheitswesen. Der nachhaltige Erfolg dieses Modells zeigt, dass eine frühzeitige Vorbereitung der ausländischen Pflegekräfte auf die spezifischen Anforderungen in Deutschland der Schlüssel zur langfristigen Sicherung der Pflegequalität ist.
Fazit: Ein Modell mit Zukunft
Die Anwerbung ausländischer Fachkräfte aus Asien, insbesondere Thailand, und die Zusammenarbeit mit Personalberatern und Bildungsinstituten im Ausland sind ein wesentlicher Baustein, um dem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zu begegnen. Durch die gezielte Anpassung der Ausbildung, die Integration der Sprachausbildung und die intensive Betreuung schaffen diese Kooperationen die Voraussetzungen für eine erfolgreiche und nachhaltige Integration der Pflegekräfte in Deutschland.
Es ist ein Modell, das sowohl den Fachkräftemangel entschärft als auch den Pflegekräften aus Thailand und anderen asiatischen Ländern neue Perspektiven eröffnet. Damit zeigt sich, dass in der globalen Zusammenarbeit der Schlüssel zur Lösung eines der dringendsten Probleme im Gesundheitswesen liegen könnte.
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